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Joachim Jahnke im Alter von 82 Jahren verstorben

Unser Ehrenvorsitzender, Joachim Jahnke, ist heute, in den Morgenstunden des 17. Juli im Alter von 82 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben. Damit ist einer der Gründerväter des MSC Teutschenthal von uns gegangen.

Sein Leben war bis zu seinem letzten Tag dem Motorsport gewidmet. Selbst war der gelernte KFZ-Schlosser erfolgreicher K-Wagenfahrer. Nach der Schließung des Straßenrennkurses ‚Halle-Saale-Schleife‘ Mitte der 1960er Jahre, suchte er mit seinen Mitstreitern nach Alternativen für den Motorsport und wurde in einer stillgelegten Kohle- und Kiesgrube in Teutschenthal fündig. Der Talkessel entwickelte sich, befeuert durch die WM-Erfolge des dreifachen deutschen Weltmeisters Paul Friedrichs, in kürzester Zeit zum Hotspot des Motocross in der DDR.

Joachim Jahnke war ein Macher. Für ihn gab es keine halben Sachen. Was er anpackte, funktionierte. Was er wollte, setzte er durch. Wenn sich ihm eine Tür verschloss, fand er eben andere Wege zum Ziel. Im Talkessel versetzte er Berge im Sinne des Wortes. Er baute eine Infrastruktur auf, die weltweit Maßstäbe setzte. Er packte bis zu seinen letzten Tagen selber mit an und überließ nichts dem Zufall.

Im Talkessel gab es außer einer Kiesgrube nichts. Erdkanäle wurden mit dem Spaten ausgehoben, die Fundamente für die erste Startanlage und das Start-Ziel-Haus von Hand ausgeschachtet. Im Talkessel steckt der Schweiß unzähliger Helfer der ersten Stunde, allen voran: Joachim Jahnke.

Am 16. Oktober 1966 fand im Talkessel das erste Motocrossrennen statt, ein Lauf zur DDR-Meisterschaft. Paul Friedrichs gewann. Bereits fünf Jahre später wurde im Talkessel der erste WM-Lauf gestartet. Der Talkessel wurde international bekannt. Doch in den frühen 1970er Jahren erlebten die Motorsport-Enthusiasten einen schweren Rückschlag. Die DDR zog sich vom Motorsport zurück. Grand-Prix-Rennen wurden untersagt, DDR-Fahrer durften nicht mehr in der WM starten.

Doch auch von diesem Rückschlag ließ sich Joachim Jahnke nicht unterkriegen. Er machte im Rahmen der Möglichkeiten weiter, auf hohem internationalen Niveau. Im Talkessel wurden fortan Rennen um den ‚Pokal der Freundschaft‘ und den ‚Pokal der Kalikumpel‘ ausgetragen. Es starteten die besten Fahrer aus der ČSSR, der Sowjetunion, Ungarn und aus vielen anderen Ländern, die ihrerseits noch in der WM starten durften und holte somit trotz der herben Restriktionen jedes Jahr Weltklassesportler in den Talkessel. Joachim Jahnke arrangierte sich dabei niemals mit den auferlegten Dogmen des beengten Polit-Apparats, doch er nutzte jede sich bietende Chance, die Fesseln des beengten DDR-Systems zu durchbrechen.

Joachim Jahnke war ein freiheitsliebender Mensch. Privatinitiative war in der DDR nicht nur unerwünscht, sondern auch staatlich reglementiert. In einer Zeit, in der die letzten ostdeutschen Privatbetriebe enteignet und in so genanntes Volkseigentum überführt wurden, gründete er seine eigene Firma – ein Fuhr- und Taxiunternehmen, das bis heute besteht und von seinem Sohn, Jens-Uwe Jahnke, der selbst international erfolgreicher Motocrossfahrer wurde, weitergeführt wird. Nutzfahrzeuge konnten Privatpersonen in der DDR aber nicht erwerben. Also beschaffte sich Joachim Jahnke Fahrzeuge vom Schrottplatz, die er selbst wieder aufbaute. Der Zustand dieser Skoda-LKW war nach dem Wiederaufbau oft besser als der von Neufahrzeugen. Wenn er Aufträge bekam, funktionierte es reibungslos und zuverlässig, was in der DDR durchaus keine Normalität war. Trotzdem wurden ihm immer wieder Steine in den Weg gelegt, doch er blieb zäh und machte weiter. Joachim Jahnke war Privatunternehmer, was in der DDR eine Seltenheit war!

Im Talkessel wurde jedes Jahr hochkarätiger Sport geboten. Zuschauerzahlen von 30.000 waren ’normal‘. Nicht normal aber waren die Anstrengungen der ehrenamtlichen Clubmitglieder des MC Teutschenthal, die Jahnke immer wieder gewinnen und begeistern konnte. Jahnke konnte Menschen mitnehmen, sich ehrenamtlich und unentgeltlich über Monate und Jahre hinweg einzubringen und einzusetzen. Das war nur möglich, weil er es selbst vorlebte. Er war Rennleiter und Clubvorsitzender, in den letzten Jahren Ehrenvorsitzender.

Nach der politischen Wende 1990 brachen mit dem DDR-Staatsgebilde auch viele Bereiche der ostdeutschen Gesellschaft zusammen: Vielerorts lösten sich Sportclubs auf, viele Menschen waren auf die eigenen Probleme fixiert. Joachim Jahnke aber startete erneut mit Vollgas durch: Er erkannte die Chance, in Teutschenthal endlich wieder einen richtigen WM-Lauf zu starten. Nachdem die ersten Inter-DM und EM-Läufe ein fulminanter Erfolg wurden, war es bald soweit: Nur knapp 3 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung wurde 1993 im Talkessel der erste gesamtdeutsche WM-Lauf der Klasse bis 500ccm gestartet. 1996 gab es den ersten WM-Lauf der Klasse bis 250ccm. Seit 1998 findet der Große Preis von Deutschland regelmäßig und jährlich im Talkessel statt.

Es gab für Joachim Jahnke aber noch ein weiteres großes Ziel: Den Olymp des Motocross, das Motocross der Nationen, wovon er schon in den 1980er Jahren träumte! Die besten Fahrer aller Klassen, aus der WM und aus den USA, im Talkessel vereint in einem Rennen. Diese Vision wurde im Jahre 2013 Realität. Das MXoN im Talkessel 2013 wurde eines der besten Nations in der Geschichte des Sports. Das deutsche Team trat als Titelverteidiger mit Max Nagl, Ken Roczen und Dennis Ullrich an. Joachim Jahnke hoffte natürlich auf eine Titelverteidigung, doch er respektierte stets auch die Leistungen Anderer. Die Motocross-Nation Belgien war für ihn ein würdiger Weltmeister im Talkessel.

2015 erhielt Joachim Jahnke für sein unermüdliches gesellschaftliches Engagement das Bundesverdienstkreuz. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff würdigte seine Leistungen mit diesen Worten: «Die hohe gesellschaftliche Bedeutung des Ehrenamtes zeigt sich im jahrelangen Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger, die selbstlos und mit großem Einsatz ganz wesentlichen Anteil am Funktionieren unseres Gemeinwesens haben. Sie haben dem Motorsport in Sachsen-Anhalt ein Gesicht gegeben. Das ist Standortwerbung, wie man sie sich nur wünschen kann!»

Die letzten Jahre von Joachim Jahnke waren von einem heimtückischen Krebsleiden überschattet. Er war Sportler durch und durch und die krankheitsbedingten Einschränkungen konnte und wollte er nicht hinnehmen und versuchte alles, ein normales Leben zu führen. Er blieb eine Kämpfernatur bis zum Schluss. Seine Ehefrau Karin unterstützte ihn zeitlebens mit großer Liebe, besonders auch in seinen letzten Tagen und Wochen.

Joachim Jahnke ist und bleibt das Gesicht des Talkessels, daran wird sein Tod nichts ändern. Er hat deutsche Motocross-Geschichte geschrieben. Wir trauern um einen großartigen Sportsmann. Sein Geist lebt im Talkessel weiter.