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PM: Mit über 60 startet Technikexperte Lutz Schneider vom MSC Teutschenthal zweite Motocross-Karriere

Start bei Landesmeisterschaft am 12./13. September in Klasse Senioren II  Die Vorfreude ist groß. Am kommenden Wochenende nimmt Lutz Schneider, seit vielen Jahren engagiertes Mitglied mit Motorsportclub Teutschenthal e.V. im ADAC, auf seiner Heimstrecke am Startgatter Aufstellung. Er fiebert diesem Rennen im „Talkessel“ schon lange entgegen. „Nach vielen Jahren richten wir in Teutschenthal mal wieder einen Lauf zur Landesmeisterschaft aus. Da wollte ich unbedingt als Clubmitglied mitfahren. Doch das geht nicht ohne offizielle Anmeldung. Also dachte ich: wennschon, dennschon. Dann fahre ich im Rahmen der Landesmeisterschaft eben einige ausgewählte Rennen mehr“, erzählt Schneider, der morgen seinen 62. Geburtstag feiert. Starts in Magdeburg und Trebitz liegen mittlerweile hinter ihm, nun folgt am Wochenende Teutschenthal. 38 Jahre dauerte die Rennpause des Unterrißdorfers (bei Lutherstadt Eisleben), der sich die Startnummer 601 für seine „zweite“ Rennkarriere ausgesucht hat. Hintergrund ist, dass ihm ein Freund zum 60. Geburtstag ein Nummernschild mit dieser runden Zahl geschenkt hatte. Der Motocross-Verrückte ergänzte die große 60 dann einfach um „+1“ und wird sich am Wochenende im Kreis weiterer älterer Herren in der Klasse Senioren II (ab 50 Jahre) wiederfinden. „Einige kenne ich noch von früher“, erzählt Schneider. „Die sind zum Teil noch älter als ich.“ Familiäre Unterstützung hat er. Töchter und Schwiegersohn sind bei seinen Rennen mit vor Ort und auch die Enkelkinder turnen im Fahrerlager schon mal auf dem Bike von Opa Lutz rum. Gitty, Schneiders Frau, sah den neu erwachten motorsportlichen Ehrgeiz ihres Mannes anfangs skeptisch, hat sich aber mit den Plänen abgefunden. Wie die komplette Familie Schneider engagiert auch sie sich seit Jahrzehnten beim MSC Teutschenthal und weiß, dass zu diesem Sport eine gehörige Portion Verrücktheit gehört und dass der Motocross-Virus niemanden wieder ganz loslässt, wurde man erst einmal infiziert. Auch das Alter schützt vor diese „Krankheit“ nicht. Lutz Schneider wurde Anfang der 1970er Jahre „befallen“. Er wohnte damals in Helfta und schloss sich zunächst dem Motorclub Eisleben an, wenig später dem MC Teutschenthal. 1972 fuhr er seine ersten Rennen. Dann kamen die Armeezeit und damit eine Zwangspause. Doch 1975 ging es sofort wieder aufs Motorrad. „Ich hatte eine Lizenz für die DDR-Meisterschaft, war allerdings kein Spitzenfahrer“, blickt Schneider zurück. „Ich war gutes Mittelfeld“. Sein bestes Ergebnis, da erinnert sich der ergraute Crosser genau, war ein elfter Platz auf der Sandstrecke in Ueckermünde am Stettiner Haff. Anfangs war Schneider auf einem Motorrad Marke Eigenbau unterwegs. „Wir hatten uns den Rahmen einer tschechischen Serien-CZ passend gemacht und den Motor aus einer MZ eingebaut.“ Sein Lehrmeister „Ottchen“ Wolf half, erinnert sich Schneider. Der habe damals in direkter Nachbarschaft gewohnt und sei selbst Straßenrennen gefahren. „Aber das war mir zu gefährlich.“ Ab 1975 stellte der Teutschenthaler Club dann seinem Fahrer eine CZ zur Verfügung. Schneiders technische und handwerkliche Tüfteleien sind bis heute gern genutzte Fähigkeiten beim MSC. So war der gelernte Landmaschinenschlosser, der heute als Hausmeister für einen Immobilienmakler tätig ist, viele Jahre mit für die obligatorische technische Abnahme der Wettkampf-Motorräder zuständig, u.a. bei den Weltmeisterschaftsläufen in „Talkessel“. Aber nicht nur dort. Da der Technik-Experte die Lizenz der internationalen Motorsportvereinigung FIM besaß, konnte man ihn oft auch auf anderen Rennstrecken antreffen. Den Anstoß, selbst wieder Gas zu geben, gab ein Treffen ehemaliger DDR-Motocrosser. Einmal im Jahr kommt man zusammen, immer auf einer anderen Rennstrecke. 2010 war dieses Treffen im „Talkessel“. Da Schneider zu diesem Zeitpunkt kein eigenes Motorrad mehr hatte, borgte er sich eine Maschine, um gemeinsam mit den anderen auf die Strecke gehen zu können. „Natürlich war das ohne jegliches Training schwierig“, erinnert sich der Mansfelder. „Ich war damals froh, als es vorüber war.“ Spöttische Bemerkungen der anderen blieben nicht aus. Auch von seiner Frau bekam er zu hören: „Das wird doch nie was.“ Doch der Funke war mit den ersten Metern wieder übergesprungen. Entgegen allen Spöttereien begann Schneider, systematisch seine „zweite Karriere“ vorzubereiten. Als die nötige Ausrüstung vom Motorrad über einen Trailer bis hin zur Kleidung zusammen war, ging der Oldie-Crosser nach Arbeitseinsätzen an der Rennstrecke auf dieselbe und begann zu trainieren. Dass er im Frühjahr gemeinsam mit Bernd Eckenbach, Collin Dugmore und Didi Lacher im „Talkessel“ Runden drehen konnte und es von den drei Großen des deutschen Motocross-Sports aufmunternde und anerkennende Worte gab, hat Schneider nur bestätigt: „Natürlich kann man auch als Oldie noch aktiv Motocross fahren. Man muss ja nicht gleich den Start gewinnen“, schmunzelt er. Ein Funken Stolz, gepaart mit Ehrgeiz blitzt da in seinen Augen auf. PM-Oldie-Crosser-07-09-15