Maria Franke und Anne Borchers mit Silbermedaille der International Six Days 2019 in Portugal

Anne und Maria sind Enduro-Vizeweltmeisterinnen

Herzlichen Glückwunsch an Maria Franke und Anne Borchers!!! Samstagabend konnten die beiden Fahrerinnen von unserem Club nach sechs anstrengenden Wettkampftagen über den Gewinn des Vize-Weltmeistertitels bei den Enduro-Mannschaften der Damen jubeln. Selbst für die Fachwelt überraschend, holten unsere beiden Offroad-Ladies gemeinsam mit Selina Schittenhelm aus Urbach (Baden-Württemberg) bei den legendären Six Days Enduro in Portimão an der portugiesischen Algarve den Silber-Platz hinter den US-Amerikanerinnen und vor den Britinnen.

Anne Borchers, Maria Franke, Selina S chittenhelm bei den alSix Days 2019 in Portug

Damen-Team Deutschland mit Maria, Anne und Selina

„Wir sind sehr stolz auf die beiden Fahrerinnen, die seit vielen Jahren unserem Club angehören und beide vom Motocross-Sport kommen. Sie haben in der vergangenen Woche wirklich beeindruckende Leistungen und einen enormen Kampfeswillen gezeigt. Der gesamte MSC gratuliert zu diesem außergewöhnlichen Erfolg“, kommentiert Clubchef Jens-Uwe Jahnke den Erfolg.

Anne Borchers und Maria Franke bei den Six Days 2019 in Portugal

Happy – Anne und Maria

Maria: „Wir hätten auch gewinnen können“

Maria, die 2017 Enduro-Weltmeisterin in der Einzelwertung war und seit dem vergangenen Jahr Mutter eines kleinen Jungen ist, war in Portugal zugleich die beste Fahrerin im Feld der 14 Damen-Teams mit den rund 50 Starterinnen. „Das habe ich überhaupt nicht erwartet, weder den Pokal als beste Fahrerin noch die Silbermedaille für das Team, da ich zuletzt nicht mehr so viel trainiert habe“, so Maria hocherfreut. Hier ist glücklich über diesen eher unerwarteten Erfolg, meint aber auch, dass es nach dem super Einstand in die Six Days insbesondere von Anne und mit P1 in der Tageswertung des ersten Tages vielleicht sogar zu Sieg hätte reichen können.

Maria Franke bei den Six Days 2019 in Portugal

Maria Franke

Doch waren die ersten beiden Wettkampftage noch eher motocross-lastig, mussten an den Tagen 3 und 4 richtig harte Enduro-Prüfungen bewältigt werden. „Teilweise war es mit den Auffahrten und steinigen Passagen fast wir bei ,Rund um Zschopau,“, sagt Maria, die Teamgefährtin Anne größten Respekt zollt: „Toll, dass sie das so geschafft hat. Vom Technischen her war sie das nicht gewohnt und hat viel über die Kraft gemacht. Da ging es für sie, aber auch für mich, ums Durchhalten und darum, ins Ziel zu kommen.“

Anne: „Da wird nicht rumgejammert“

Anne bestätigt das: „Blessuren, blaue Flecke, Blasen – das spielt alles keine Rolle, wenn man bei so einem Wettkampf an den Start geht. Wer sich auf so was einlässt, der muss kämpfen. Da wird nicht rumgejammert.“ Und die 27-Jährige hat sich erst spät auf das Abenteuer Six Days eingelassen. Erst wenige Tage nicht dem Gewinn des Vize-Weltmeistertitels in der Team-Wertung der Frauen in Danzig (gemeinsam mit Larissa Papenmeier), kam von Maria und kurz darauf vom deutschen Six-Days-Team der Anruf, ob sie Lust hätte, für die verletzte Tanja Schlosser einzuspringen.

Anne Borchers bei den Six Days 2019 in Portigal

Anne Borchers

Und Anne hatte Lust. Kurzfristig musste ein geeignetes Bike – es wurde eine Husqvarna – organisiert und von ihrem Suzuki-Team die Freigabe dafür eingeholt werden. Gerade drei Testfahrten konnte Anne noch absolvieren, bevor es schon nach Portugal ging – zu ihrem allerersten Enduro-Wettkampf überhaupt!!! „Mit mehr Training im Vorfeld wäre auch mehr drin gewesen als Gesamtrang neun für mich“, resümiert Anne nach der Heimkehr. Die Freude über ihren zweiten Vize-WM-Titel innerhalb von zwei Monaten ist bei ihr dennoch groß. Allerdings will sich die MSClerin im kommenden Jahr wieder ganz auf die Welt- und Europameisterschaft im Motocross konzentrieren, ohne einen weiteren Enduro-Start jedoch auszuschließen. Und Maria? Die schaut erst einmal dem Ende ihrer Elternzeit entgegen, wird wieder ins Berufsleben einsteigen und dann entscheiden, wann und wo sie wieder aufs Bike steigt

Hintergrund

Die „Six Days“ sind weltweit das wichtigste Rennen im Enduro-Sport. Es wird jährlich in einem anderen Land ausgetragen und ist ein Mannschaftswettbewerb über sechs Tage. Seit 1970 gelten die „Six Days“ als offizielle Enduro-Weltmeisterschaft für Nationalmannschaften. Die „FIM Women’s World Trophy“ gibt es seit 2007. Die Siegerinnen kamen seither im Wechsel aus Frankreich, Australien und den USA. Bei den Damen starten drei Fahrerinnen, von denen zwei in die Wertung kommen. 14 Teams waren in der vergangenen Woche an der Algarve am Start. In 2018 waren die deutschen Damen in Chile Neunte geworden.

Mitte: Selina Schittenhelm

Drei deutsche Offroad-Ladies gehen auf Trophäenjagd

Bei den Herren holten sich in diesem Jahr die USA die „FIM World Trophy“ und die Australier die „FIM Junior World Trophy“. Herausragende Leistung bei den Männern aus deutscher Sicht: Mit Angus Heidecke aus Bitterfeld/Wolfen errang ein weiterer ehemaligen Motocrosser aus Sachsen-Anhalt einen  hervorragenden fünften Platz in seiner Klasse und war bester deutscher Starter bei den Männern. Ebenfalls mit einer Silbermedaille nach Hause fahren konnten die beiden deutschen Teams der Vintage-Trophy  und der Veteranen-Trophy.

(Teutschenthal, 20.11.2019, Text: Waterstraat, Fotos: privat, Kai Brake)